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Ich hab mich verliebt
Ich hab nicht geglaubt, dass mir altem Esel noch einmal sowas passieren kann. Aber gegen den Herrgott und das von ihm zugedachte Schicksal ist uns kein Kraut gewachsen.
Da meint man, über gewisse Dinge und Erlebnisse, Fährnisse des Herzens Bescheid zu wissen, ihnen die Schärfe genommen zu haben, man weiss schliesslich vieles, versteht kraft seines Wissens, seiner reiflichen Lebenserfahrung und überhaupt ist man abgebrüht. Sollen sich doch die jungen Dinger damit abplagen, die müssens erst lernen, so wie wir einst. Bittschön, es stimmt, es gibt ein paar alte unbelehrbare Buben mit künstlich entgrautem Haar, die immer noch meinen, für sie sei die Zeit stehen geblieben. Das trifft auf mich nicht zu. Ich bin, zugegebenermassen auch durch bestimmte mit den Jahren eintretende Ermüdungserscheinungen des Leibes, diesem Drängen des Fleisches grossteils entrückt. Ich weiss zwar wies geht, praktiziere es auch noch hin und wieder, aber es ist nicht mehr so wichtig wie ehedem. Man wird schliesslich Gottseidank älter. Der Blick schweift nicht mehr nur über die Rundungen junger Frauenspersonen, man ergibt sich zunehmend den künstlerischen und philosophischen Fragen des Daseins. Man wird eben reifer. Man muss nicht immer alles haben, schon gar nicht sofort. Man lernt die Freude des Zuwartens zu schätzen. Seien wir ehrlich, meist ist die Vorfreude schöner als nachher der Besitz, egal wessen.
Und weil ich um diese Umstände weiss und mich an ihnen erfreue, darum hat es mich umsomehr verwundert, dass es mir doch noch einmal passiert ist. Ich habe nicht mehr damit gerechnet, ich wollte davon meine Ruhe haben. Aber nein, der Schöpfer aller Dinge will es offenbar anderes. Ja hört denn das nie auf?! Dabei kann ich (um die Worte meines verehrten Vorbilds Friedrich Torberg aus seiner Tante Jolesch zu verwenden) noch von Glück sagen, dass es nicht noch schlimmer geworden ist. Was wäre, ein Weib hätte mich entflammt? Es ist ja direkt erfreulich, dass ich mich in eine Gegend verliebt habe, ins Ausseerland, genau gesagt in Altaussee. Der ist es nämlich wurscht, wer welche Gefühle für sie hegt. Was hat der liebliche Flecken schon alles aushalten müssen. Da werd doch ich kein so grosses Malheur sein, oder? Seltsamerweise treffen diese Gefühle oft Leute, denen der Herrgott die Kunst der Dichtung ins Herz gelegt hat. Nicht, das ich mich mit den Grössen der Literatur messen wollte, da bin ich ehrlich. Aber mich ein wenig in dieser Kunst (natürlich in aller Bescheidenheit) üben zu dürfen, das wird mir doch gestattet sein.
Tatsache ist, auch wenn ich noch so viel rundherum schreibe, mir geht’s so wie damals, als ich um meine Frau freite. Ich träum von der Gegend, von den Bergen, dem Tal, dem See, den Strassen und Häusern. Halten Sie mich ruhig für verrückt, aber ich bin glücklich damit. Die Luft umspült im Traum mein Haupt, die Sonne, die ich sonst meide, wärmt mein Gesicht. Ich, der ich normal ziemlich unsportlich bin, ertappe mich dabei, an lange Spaziergänge zu denken. Und anstatt dass ich darob beunruhigt bin, fühl ich mich pudelwohl dabei. Je mehr ich darüber und über mich selber nachdenke, desto mehr komme ich zum Schluss, dass ich unsterblich verliebt bin. Gut, nehm ichs an, in Gottes Namen. Aber das muss das letzte Mal sein, dann ist wirklich Schluss. Damit will ich meine Ruh haben. Amen.
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