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Über Da Ponte's Leben und Werk

Er war eine der schillerndsten und faszinierendsten Persönlichkeiten in einer an solchen Erscheinungen ohnehin nicht armen Epoche.  Aus ärmsten Verhältnissen stammend und geprägt vom geistigen und sozialen Klima der Serenissima Venedig einerseits und dem aufstrebenden Bildungsbürgertum andererseits (mit allen daraus gerade in seinem Fall so typischen resultierenden Schwierigkeiten für Personen seinesgleichen, die ihn sein Leben lang wie ein Schatten begleiteten), gelang ihm ein Aufstieg in zweierlei Hinsicht: Einerseits in die gesellschaftlich allerhöchsten Kreise und andererseits hat er sich aus dem absoluten Nichts emporgearbeitet in den Olymp der Librettisten. Er hat, das kann man mit einiger Sicherheit behaupten, keinen Text völlig allein „erfunden“. Er hat alle Sujets bearbeitet - und wie. Was er aus den Vorlagen gemacht hat – und auch darin, aber nicht nur darin, gibt es zwischen ihm und Mozart auffallende Parallelen - aber ist wahrlich einmalig. Wie er es zum Beispiel geschafft hat, den Kaiser zu überreden, ihm und Mozart doch den Figaro zu erlauben, den dieser zuvor Schikaneder verboten hatte aufzuführen; was er und Mozart aus dem Don Juan- Stoff gezaubert haben, wie er mit der "Cosa Rara" Wien in Verzückung versetzt hat, das alles sucht seitdem seinesgleichen. Daß er daneben immer wieder, außer in jenen „mehr als zehn Jahren, in denen er Donauwasser trank“, mehrmals seine materielle Existenz, auch als er längst Familienvater war, riskierte und prompt auch verlor, aber immer wieder sich erhob und bis ans Lebensende stets von neuem begann, welchen Zeitgenossen er begegnete, dass er am Lebensende den aufsteigenden Ruhm seiner und Mozarts Werke erleben durfte, das ist spannender zu lesen, als so mancher moderner Roman. Es ist sein Roman, ein Roman voll Witz, Geist, Abenteuerlust, Auflehnen gegen das Schicksal und eine einzige Hymne an die Kunst der Dichtung.

Er ist, auch wenn er schon seit mehr als anderthalb Jahrhunderten tot ist, quicklebendig in seinen Werken, die alt und jung begeistern durch eine unvergleichliche Geläufigkeit der Worte und eine dämonische Meisterschaft der Hintergründigkeit, einer erst in unserer Zeit verständlichen Darstellung der Charaktere, die für ewige Zeiten beispielhaft und vorbildlich gezeichnet sind, so dass alle sich darin wiederfinden. Zwar ist seinen Libretti ein spöttischer, manchmal zynischer Unterton zu entnehmen, aber in allem blitzt letztendlich doch das Menschliche durch, das was uns an den Schöpfer gemahnt. Und dieser zwischen den Zeilen und Tönen durchscheinende Schatten des Göttlichen, er ist es, der mich an ihm so fasziniert, mag er im Leben getan haben, was immer er tat.

Darum habe ich mir seinen Namen als Synonym gewählt.

Pepe Da Ponte