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Gerechtigkeit für Da Ponte

Er war - ich habe dies schon wiederholt dargelegt - ein buntschillernder Charakter. Ein typischer Mensch seiner Zeit, vielseitig gebildet, ein äuserst sprach- und ich meine auch musikbegabter Mann, ein herausragendes Talent. Einer, der von ganz unten kam und es in der Mitte seines Lebens schaffte, bis in die höchsten Kreise Wiens zu gelangen.

Er kannte die Grossen seiner Zeit, die Dichter, Komponisten, Maler, auch die Regierenden. Er ging – es ist zumindest teilweise wahr – beim Kaiser Josef ein und aus. Er hat seine Beziehungen vor allem für seine Kunst genutzt und wurde dafür beneidet, verachtet und bekämpft.

Wenn auch seine Memoiren streckenweise als Lamento gelten, als Erzählungen, in denen er davon berichtet, wie ungerecht er behandelt wurde und diese Schilderungen ihn dem Leser nicht gerade sympatisch erscheinen lassen, so kann man ihnen doch nicht ohne weiteres die Nähe zur Wahrheit absprechen. Es bedarf allerdings aufwendiger Recherchen, die Wahrheit herauszufinden. Die Welt war wirklich ungerecht zu ihm. Und er hat ihr reichlich Gelegenheit dazu gegeben. Ich bin der Überzeugung, würde er heute leben, er wäre ein Superstar. Einer, über den die Medien genug zu berichten hätten, denn Anlass zu Skandälchen und Skandalen gab er reichlich. Wir sollten seine menschlichen Verfehlungen auf den Misthaufen der Geschichte werfen und ihn nach seinen Leistungen beurteilen, die heute noch Bestand haben. Und auf die kann er wahrlich stolz sein.

Er schrieb nicht nur für Mozart, sondern für alle damals tätigen Komponisten Libretti. Schade, dass die meisten davon in der Versenkung verschwunden sind. So manches Werk wäre der Wiederentdeckung würdig. Im zweiten Abschnitt seines Lebens erbrachte er eine bis in die heutige Zeit reichende Leistung in Amerika. Er war der Förderer der Oper in Amerika, er hat das Interesse an der italienischen Sprache und Lebenskultur drüben geweckt. Er hat die Bibliothek in New York begründet. Dass er wirtschaftlich reihenweise Misserfolge produzierte, dass es seine Familie bestimmt nicht leicht hatte, all das ist Teil seines bewegten Lebens. Aber er muss ein besonderer Vater gewesen sein, ein faszinierender Mann.

Und darum meine ich, dass wir ihm und seinem Leben und Wirken aus der Distanz von rund 2 Jahrhunderten gegenüber treten sollten, seinen Leistungen den gebührenden Wert beimessen und ihm die Anerkennung zollen, die er verdient. Er hat uns mit seinem Werk in höchster unvergleichlicher Weise unterhalten. Hätte er nicht gelebt, die Welt wäre ein gutes Stück ärmer.

Und darum fordere ich:

Gerechtigkeit für Lorenzo da Ponte! Gebt ihm und seinem Werk jenen Stellenwert, der ihm zusteht, der ihn für alle Zeit in die Reihe der Grossen der Menschheit stellt, da wo er hingehört.

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