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Lorenzo Da Ponte in Admont.

Von den mir bekannten biographischen Aufzeichnungen sind jene am ergiebigsten, die in der 3- bändigen deutschen Übersetzung von Gustav Gugitz aus dem Jahr 1924 im Band 2 Seite 89 bis 123 enthalten sind. 
Ich gebe daraus auszugsweise wieder:    
„Ich befinde mich nun ...  in einem mit nur einem Pferde bespannten Wägelchen, das von einem 15 – 16- jährigen Knaben geleitet wird und nicht allein. Wer bei mir war? Meine schöne, junge, frische und liebenswürdige Gattin, die mir von ihren Eltern am 12. August des Jahres 1792 nachmittags um 2 Uhr übergeben worden war. Mit diesem Fuhrwerk, dieser Gattin und einem Kapital von 600 – 700 Gulden .... wagte ich die Reise von Triest nach Paris zu unternehmen. Wir kamen am Abend in Laibach an .... Wir verfolgten am anderen Tag unsere Reise und so mehrere nachfolgende Tage ... ohne einen Zufall. Als wir aber in der Abenddämmerung den Lichtmeßberg passierten, glaubte meine Frau in der Entfernung einige mit Schießgewehren bewaffnete Männer zu sehen. Da wir ausgestiegen waren, um bei dem Herabfahren dieses steilen Berges dem Pferd einige Erleichterung zu gönnen, führte ich meine Frau im Arm, den anderen aber verwendete ich, um uns beide mit dem Regenschirm vor einem feinen Regen zu schützen, der gerade fiel. Meine Frau, geängstigt durch den Anblick jener Männer, die sie für Straßenräuber hielt, wozu die Tageszeit und die große Einsamkeit des Ortes auch noch viel beitrugen, zog ihr von der Mutter erhaltenes Beutelchen hervor und steckte es mir eiligst zwischen die Weste und das Hemd, in der Meinung, sie steckte es zwischen dieses und meine eigene Person, und so verfolgten wir unsern Weg. Die in Frage stehenden Personen kamen uns indessen immer näher, grüßten uns höflich und gingen ihres Weges. Wir gewahrten nun, daß die vermeintlichen Gewehre nur lange mit Eisen beschlagene Stöcke waren, welche alte, nach Hause zurückkehrende Feldarbeiter zu ihrer Bequemlichkeit trugen; wir lachten nicht wenig über unsere Furcht. Als wir aber einige Minuten nachher an der am Fuße dieses Berge gelegenen Abtei von Admont angelangt waren, hörte unser Lachen auf, und zwar, weil meine Frau ihr Beutelchen zurückforderte und wir die betrübliche Bemerkung machten, daß es sich nicht mehr vorfand. Wir kehrten nun sogleich mit Fackeln und Laternen auf den Berg zurück. Nachdem wir aber über eine Stunde lang jeden Winkel sorgsam durchsucht hatten und alle unsere Mühe unbelohnt blieb, kehrten wir traurig und niedergeschlagen in unser Wirtshaus zurück. Am folgenden Morgen machten wir dem Prälaten in der Abtei einen Besuch, welcher im Gottesdienste bei ganz voller Kirche unsern Verlust bekanntmachen ließ, was aber ohne Erfolg blieb. Dieser gute Geistliche versicherte mich aber dennoch, daß wir vollkommen überzeugt sein dürften, unsere Börse wieder durch ihn zu erhalten, wenn jemand von´seiner Gemeinde dieselbe gefunden hätte; so groß war sein Vertrauen auf die Gewissenhaftigkeit und Redlichkeit dieser Leute. Er forderte mich deshalb auf, ihm meine Adresse zu geben und hauptsächlich diejenigen Städte zu bemerken, durch die ich auf meiner Reise nach Paris passieren, oder kurze Zeit darin verweilen würde. Wir verließen sodann die Abtei und verfolgten neuerdings unsern Weg. ...  
Nach unserer Ankunft in Prag verweilten wir daselbst einige Tage in der Hoffnung, vielleicht Nachricht zu erhalten,  aber vergebens, der gute Abt ließ nicht von sich hören. ... Von hier aus wollte ich geradezu nach Dresden reisen .... ich mußte also auf dem Postwagen nach Kassel ... .. In Speier jedoch ... später in Rotterdam ... nach Brüssel zu berichten zu wollen, weil ich auf meiner Reise nach Paris beabsichtigte, diese Stadt zu besuchen. ... Kaum aber war ich einige Meilen von Speier entfernt, so erfuhr ich, als ich bei einem Wirtshaus anhielt, ... von der Gefangensetzung der Königin Marie Antoinette und dem Vorrücken der französischen Armee nach Mainz ... Nach kurzem Nachdenken erinnerte ich mich des Rates von Casanova ... statt nach Paris nach London zu reisen und schlug also den Weg nach Holland ein. ... Wir kamen also glücklich und wohlbehalten in London an ... Als ich ... bemerken mußte, daß ich nicht mit günstigen Winden segle, so ließ ich einen Teil meines Geldes meiner Frau und faßte den Entschluß, ... mich nach Holland zu begeben, wo das französische Theater ... geschlosssen sein solle. Eines Tages ... kam der Diener des Hauses und überbrachte mir einen Brief. Ich erkannte die Handschrift meiner Frau und öffnete ihn mit Bangigkeit., .... aber mit großem Erstaunen und unaussprechlicher Freude las ich folgende Worte:      
Mein Lieber Lorenzo! Ich sende Dir hier die 80 Gulden und 20 behalte ich. Diese Summe habe ich gestern von Deinem Freunde in Prag erhalten, welchem sie von dem guten Geistlichen in der Abtei von Admont zugeschickt worden war. Ein gewisser Landmann mit Namen Kerschenbaum hat das Beutelchen auf dem Lichtmeßberg den Tag nach unserer Abreise gefunden und redlicherweise sogleich dem guten Geistlichen eingehändigt, der ihm 2 Dukaten als Belohnung geschenkt hat. Da ihm aber mehrere Deiner Briefe nicht zugekommen sind, so war es ihm auch nicht bekannt, daß wir statt nach Paris zu gehen, nach London gegangen sind. Sieh also, man muß nie verzweifeln, und immer auf Hilfe von der gütigen Vorsehung hoffen. Bevor 8 Tage vergehen, werde ich bei Dir sein und Dir mündlich das übrige sagen. Deine Nancy


Anmerkungen des Verfassers      :
Über das Leben und Werk von Mozarts Librettisten gibt es mehrere Biographien, die aber alle, gleich in welcher Sprache sie verfasst sind, auf seine „Memorie di Lorenzo da Ponte di Ceneda, scritta da esso, New York 1823-1827“ in 3 Bänden und „Memorie ... seconda edizione 1829- 1830“ ebenfalls in 3 Bänden, mehr oder weniger zurückgreifen. (Böswillige Zungen meinten, er müsse seinen eigenen Tod überleben, um seine Memorie fertigschreiben zu können) 
LDP gibt an, der Hochzeitstag sei der 12.08.1792 gewesen. Nach meiner Berechnung war das ein Sonntag. Einen Tag brauchte er bis Laibach und einige Tage bis Admont. Ich bin mir sicher, daß der Tag der Ankunft in Admont der 18.08.1792, ein Samstag, war. Dies stimmt auch mit der weiteren Schilderung überein, daß der Prälat am Morgen des nächsten Tages LDP empfing und bei der am selben Tag stattfindenden Sonntagsmesse den Verlust der Börse seiner Kirchengemeinde bekanntgegeben hat. Er war seinen Memorie zufolge noch 2-3 Tage in Admont, ehe er mit seiner jungen Frau nach Prag zu Casanova weiterreiste. Leider ist in seinen Erinnerungen nichts darüber zu finden, daß er die schon zu seinen Lebzeiten weltberühmte Bibliothek besichtigt hat. Dies verwundert umso mehr, als LDP Zeit seines Lebens nachweislich ein großer Bücherfreund war. Seine Abreise aus Admont muß daher auf den 20. bis 22. August 1792 datiert werden.   
Ich habe bei meinem Besuch des Benediktinerstiftes Admont am 03.11.1999 versucht, die Angaben von LDP und seinen Biographen auf ihrem Wahrheitsgehalt zu prüfen. Durch die außerordentlich zuvorkommende und unschätzbar sachkundige Hilfe des Stiftsarchivars, Hrn. Dr. Johann Tomaschek, gelang es, die von mir eruierten zeitlichen Angaben präzise zu bestätigen. Ich konnte das Originalverzeichnis der Mönche und Äbte des Stiftes einsehen und dabei die Namen des Abtes Gotthard Kuglmayr und des Priors Rupert Vorderleitner tatsächlich vorfinden. Leider war es nicht möglich, Aufzeichnungen über den angeblichen Finder der Börse, eines Hrn. Kerschenbaum, zu finden. Wir haben im Verzeichnis der Hausbesitzer von ca 1600 –1850 gesucht und einen Hans Kriechbaum Haus Nr 65, dem sogenannten Neubäckenhäusl, gefunden. Wenn besagter Kerschenbaum Admonter war, so kann er Handwerker, Knecht oder sonst eine subalterne Person gewesen sein. Es kann aber auch durchaus sein, daß er damals einer der zahlreichen fahrenden Gesellen war oder wie Da Ponte ein Durchreisender war.
Hr. Dr. Tomaschek zeigte mir Zeichnungen und Originalradierungen aus der Zeit um 1790, nach denen ich mir ein Bild ´von den früheren Ansichten von Admont machen konnte. Nach seinen Angaben sind beim Brand des Stiftes im Jahre 1865 auch zahlreiche schriftliche Aufzeichnungen verschiedenster Art in den Flammen zerstört worden. Bescheidene Hoffnungen setze ich noch in die privaten Forschungen eines Admonter Bürgers, zu dem Hr. Dr. Tomaschek persönlichen Kontakt pflegt. Der Stiftsarchivar überließ mir freundlicherweise eine Kopie eines Aufsatzes eines Admonter Heimatbuches (Seite 383 - 384), in dem die Begebenheit am Lichtmeßberg ebenfalls wiedergegeben ist. Sie entstammt der Memorie- Übersetzung von Ed. Burkhardt, Gotha 1861.

Mittlerweile kann ich beweisen, dass diese Episode seiner Biographie tatsächlich stattgefunden hat. In Briefen an Casanova (die mir freundlicherweise von Hrn Marco Leeflang aus Utrecht zur Verfügung gestellt wurden) sind Passagen enthalten, die die Begebenheit mehrmals beschreiben, zum erstenmal in einem Brief, den er am 24. Sept 1792 aus Dresden an Casanova schrieb. In mehreren weiteren Schreiben ist die Begebenheit noch erwähnt. Die genannten Briefe bieten auch Angaben zu historischen Begebenheiten, durch deren Datierung eine genauere zeitliche Zuordnung möglich ist.

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